MEDIZINISCHE
ETHIK IM 21. JAHRHUNDERT - ZUR ANTHROPOTECHNIK DER MENSCHLICHKEIT
"Exogene
Einflussnahme auf den Alterungsprozess des Menschen"
Beitrag
zum II. Ethik-Symposium: 04. bis 06. Mai 2001
· Seebad Kühlungsborn
Abstract:
Alter
und Krankheit ©
Prof.
Dr. med. Ingo Füsgen ·
Lehrstruhl für Geriatrie der Universität Witten / Herdecke ·
Ärztlicher Direktor der Geriatrischen Kliniken St. Antonius ·
Wuppertal
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Welche
Anforderungen stellt der demografische Wandel unserer
Gesellschaft an die Medizin?
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Welche
Strukturänderungen im Gesundheitswesen sind gefordert?
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Reicht
es aus, Reformgesetze für das Gesundheitswesen zu verabschieden oder ist
hier auch ein Umdenken unserer Gesellschaft gefordert?
Mit zunehmendem Alter steigt
auch die Anfälligkeit für Krankheiten – häufig für mehrere Krankheiten
gleichzeitig (Multimorbidität). Die altersabhängige Multimorbidität führt
zwangsläufig zu höheren Kosten für die medizinische Versorgung sowohl in
Diagnostik, Therapie und Rehabilitation. Zudem gehen diese chronischen
Krankheiten fast immer mit Verlusten von Körperfunktionen einher, sodass auch
die Pflegebedürftigkeit fast parallel mit dem Alter ansteigt. Von derzeit etwa
1,5 Mio. wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf 2,9 Mio. im Jahr 2040
anwachsen. Gleichzeitig schwinden die Versorgungsmöglichkeiten im häuslichen
Bereich.
Vier
von zehn der 80-jährigen und Älteren sind nach einer Wuppertaler Untersuchung
mindestens einmal jährlich in stationärer Krankenhausbehandlung. Rund 90
Prozent der Menschen dieser Altersgruppe sind mindestens einmal im Quartal in
ambulanter Diagnostik oder Behandlung. Entsprechend steigen mit zunehmendem
Alter die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Ein 90-jähriger verursacht
etwa acht Mal so hohe Gesundheitsausgaben wie ein 10-jähriger. In den nächsten
25 Jahren wird sich die Zahl der über 80-jährigen vervierfachen.
Ohne
Zweifel ist hier die Medizin, die Gesundheitspolitik mit Strukturanpassung, aber
auch unsere gesamte Gesellschaft unmittelbar gefordert. Es gilt Wege
aufzuzeigen, um aus dem Dilemma des wachsenden Bedarfs im Gesundheitswesen für
Ältere bei gleichzeitig schrumpfenden Finanzmitteln so herauszukommen, dass
keine inhumanen Tendenzen entstehen.