Füsgen II
Gruppe Ethik-21 / EVE-STIFTUNG

 

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Publikation 2001

MEDIZINISCHE ETHIK IM 21. JAHRHUNDERT - ZUR ANTHROPOTECHNIK DER MENSCHLICHKEIT

"Exogene Einflussnahme auf den Alterungsprozess des Menschen" 

Beitrag zum II. Ethik-Symposium: 04. bis 06. Mai 2001 · Seebad Kühlungsborn

Abstract:

Alter und Krankheit ©

Prof. Dr. med. Ingo Füsgen · Lehrstruhl für Geriatrie der Universität Witten / Herdecke · Ärztlicher Direktor der Geriatrischen Kliniken St. Antonius · Wuppertal

  1. Welche Anforderungen stellt der demografische Wandel unserer Gesellschaft an die Medizin?

  2. Welche Strukturänderungen im Gesundheitswesen sind gefordert?

  3. Reicht es aus, Reformgesetze für das Gesundheitswesen zu verabschieden oder ist hier auch ein Umdenken unserer Gesellschaft gefordert?

Mit zunehmendem Alter steigt auch die Anfälligkeit für Krankheiten – häufig für mehrere Krankheiten gleichzeitig (Multimorbidität). Die altersabhängige Multimorbidität führt zwangsläufig zu höheren Kosten für die medizinische Versorgung sowohl in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation. Zudem gehen diese chronischen Krankheiten fast immer mit Verlusten von Körperfunktionen einher, sodass auch die Pflegebedürftigkeit fast parallel mit dem Alter ansteigt. Von derzeit etwa 1,5 Mio. wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf 2,9 Mio. im Jahr 2040 anwachsen. Gleichzeitig schwinden die Versorgungsmöglichkeiten im häuslichen Bereich.

Vier von zehn der 80-jährigen und Älteren sind nach einer Wuppertaler Untersuchung mindestens einmal jährlich in stationärer Krankenhausbehandlung. Rund 90 Prozent der Menschen dieser Altersgruppe sind mindestens einmal im Quartal in ambulanter Diagnostik oder Behandlung. Entsprechend steigen mit zunehmendem Alter die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Ein 90-jähriger verursacht etwa acht Mal so hohe Gesundheitsausgaben wie ein 10-jähriger. In den nächsten 25 Jahren wird sich die Zahl der über 80-jährigen vervierfachen.

Ohne Zweifel ist hier die Medizin, die Gesundheitspolitik mit Strukturanpassung, aber auch unsere gesamte Gesellschaft unmittelbar gefordert. Es gilt Wege aufzuzeigen, um aus dem Dilemma des wachsenden Bedarfs im Gesundheitswesen für Ältere bei gleichzeitig schrumpfenden Finanzmitteln so herauszukommen, dass keine inhumanen Tendenzen entstehen.

 

 

EVE / Heiligendammer-Gespräche

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