IV.
KÜHLUNGSBORNER
GESPRÄCHE
"Das Ethos
in der Heilkunde – Medizinische Gegenwart und Zukunft"
09. bis
11. Mai 2003
· Seebad Kühlungsborn
Abstract:
Ein Podiumsgespräch
mit Herrn Prof. Dr. Harald Korb
und Herrn Prof. Dr. Helmut Brunner
zum Thema:
"Telemedizin:
Vision und Wirklichkeit"
Ausgangspunkt
Prof. Dr. Harald Korb
Stellenwert der Telemedizin
in der Betreuung kardialer Patienten
©
Prof.
Dr. med. Harald Korb
·
Telemedizin ·
Ärztlicher Direktor der Philips
HeartCare Telemedicine Services ·
Heinrich-Heine-Allee 1 ·
D-40213 Düsseldorf
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Ist ein
telemedizinisches Monitoring kardialer Patienten medizinisch sinnvoll und
gesundheitsökonomisch wünschenswert?
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Ist
telemedizinisches Monitoring nur ein weiterer Mosaikstein hin zur Übertechnisierung
der Medizin mit einer unstatthaften Entfremdung zwischen Arzt und Patient?
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Ist das
Konzept persönlicher Telemedizin wirtschaftlich tragfähig realisierbar
oder wird es Vision bleiben?
Telemedizin
steht allgemein als weitgefasster Sammelbegriff für die Anwendung multimedialer
Kommunikations- und Informationstechnologien im Gesundheitswesen, im engeren
Sinne wird damit der konkrete Einsatz unterschiedlicher Techniken zur Erbringung
individueller medizinischer Dienst- oder Serviceleistungen bei gleichzeitiger Überbrückung
der räumlichen Trennung zwischen Arzt und Patient beschrieben.
Im
Bereich der Kardiologie werden telemedizinische Systeme im Sinne eines
Telemonitorings in der mobilen Überwachung von Patienten mit unterschiedlichen
Formen von Rhythmusstörungen, mit höhergradiger Risikokonstellation bei
koronarer Herzerkrankung bzw. bei chronisch kranken Patienten in
unterschiedlichen Stadien der Herzinsuffizienz eingesetzt. Dabei werden
kontinuierlich, in definierten Zeitabständen oder in einer gegebenen
Akutsituation physiologische Messparameter, z. B. Blutdruck, Herzfrequenz
und EKG, über Funknetze von einem individuellen Patienten an ein
telemedizinisches Zentrum zur Analyse und konsequenten medizinischen Beratung,
ggf. mit Therapieempfehlung und Einleitung notfalltherapeutischer Maßnahmen, übermittelt.
In
diesem Bereich positioniert sich auch das von Philips HeartCare Telemedicine
Services GmbH inaugurierte Konzept persönlicher Telemedizin zur Überwachung kardialer Patienten. Das Konzept sieht vor, in einem
Eingangsgespräch durch zertifizierte Partnerärzte relevante klinische
Patientendaten in einer elektronischen Akte zu erfassen, ein 12-Kanal-Basis-EKG
zu registrieren und den Patienten in der Handhabung der Geräte zur Messung von
Blutdruck, Sättigung, Gewicht und zur transtelefonischen Übertragung des EKGs
einzuweisen. Danach kann der Patient entsprechende Vitaldaten online an das
telemedizinische Zentrum (365 d/J; 24 h) übermitteln. Fachärzte und
kardiologisch ausgebildetes Fachpersonal analysieren dort das aktuelle
Beschwerdebild, interpretieren das EKG und vergleichen die Daten mit den
Vorbefunden. Im Notfall werden auf der Basis optimierter interkollegialer
Kommunikation (Notarzt, kardiologische Einheit, Hausarzt) entsprechende
therapeutische Maßnahmen eingeleitet.
Als
integrierter Baustein einer übergeordneten Behandlungsstrategie könnte sich
das Konzept zu einem essenziellen Bestandteil einer medizinischen
Dienstleistungskette entwickeln, das sowohl unter qualitätsbezogenen, als auch
unter ökonomischen Aspekten zu einer Effizienzsteigerung in der medizinischen
Versorgung kardialer Patienten führen könnte.
Die
Studienergebnisse bei chronischer Herzinsuffizienz belegen bereits heute einen
signifikant positiven Effekt telemedizinischer Überwachung auf die Mortalität
bei gleichzeitiger Reduzierung unnötiger Krankenhausaufenthalte und
-einweisungen. Ähnlich positive Erwartungen verknüpfen sich mit den
multizentrischen kontrollierten Protokollen auch für den Bereich akuter ischämischer
Ereignisse und für den Bereich kardialer Rhythmusstörungen und könnten die
bereits vorliegenden Resultate nachhaltig stützen. Ist eine Datenlage
geschaffen, die wissenschaftlich überzeugend belegt, dass telemedizinisches
Monitoring neben einer Verbesserung der Patientenversorgung auch zu einer
signifikanten Kostensenkung beiträgt, werden weitere Bemühungen zur
Etablierung telemedizinischer Systeme im Gesundheitswesen nicht nur berechtigt,
sondern konsequenterweise notwendig sein.