Gallmeier I
Gruppe Ethik-21 / EVE-STIFTUNG

 

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Publikation 2000

MEDIZINISCHE ETHIK IM 21. JAHRHUNDERT - ZUR ANTHROPOTECHNIK DER MENSCHLICHKEIT

"Verantwortung und Ökomomie in der Heilkunde" 

Beitrag zum I. Ethik-Symposium: 12. bis 14. Mai 2000 · Ostseebad Kühlungsborn

Abstract:

Ethik im Klinikum der Zukunft ©

Prof. Dr. med. Walter M. Gallmeier · Onkologie und medizinische Ethik · Vorstand der Medizinischen Klinik 5 und Ärztlicher Direktor des Klinikums Nürnberg · Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1 · D-90419 Nürnberg

  1. Welchen Stellenwert hat die Medizinethik in medizinisch-pflegerischer Praxis, in der Unternehmensentwicklung und im Management?

  2. Welche Aufgaben stellen sich unter Bedingungen knapper Ressourcen?

  3. Welches Menschenbild wird pragmatisch grundlegend?

Schlüsselwörter: Ethik im Krankenhaus, Ethik und Gesundheitsökonomie, Ethik- Code Nürnberg

Am Klinikum Nürnberg, mit 6.000 Mitarbeitern und jährlich mehr als 80.000 Patienten einem der größten kommunalen Krankenhäuser Deutschlands, wurde vor knapp einem Jahr das „Ethik-Projekt“ gestartet. Hier wird der Versuch gemacht, angesichts sich dramatisch wandelnder Rahmenbedingungen für Krankenhaus und klinische Medizin  die Grundwerte von Medizin und Krankenpflege zu erhalten und gleichzeitig  Qualität und Wirtschaftlichkeit zu Gewähr leisten.

In einem ersten Schritt wurde mittels empirischer Arbeit eine Problemanalyse des Klinikums aus der Sicht der Mitarbeiter erarbeitet. Hier wurde die „Schnittstelle  Ethik-Ökonomie“ besonders beachtet, aber auch die Beziehungen zwischen Medizin, Pflege und Verwaltung sowie zwischen den Leitungen und anderen Mitarbeiterebenen.

In einem zweiten Schritt wurde ein „Ethik-Code des Klinikums Nürnberg“ erarbeitet, der derzeit – vermittelt über eine ca. 20-köpfige Projektgruppe- in allen Abteilungen des Hauses  mit der Mitarbeiterschaft diskutiert wird. Gleichzeitig wird auf verschiedenen Ebenen geprüft, welche Strukturen zur Förderung einer ethisch wachen Klinikkultur, die stets auch Entscheidungskultur ist, geeignet sind. In der Diskussion sind u. a. ein klinisches Ethik- Kommitee, ein Fairness-Ausschuss sowie Modelle für klinische Ethik-Beratung.

Kennzeichnend für das Projekt ist, dass von vornherein nicht nur patientenbezogene Probleme und Entscheidungsfragen zum Themengebiet der „Ethik“ gemacht werden, sondern auch Fragen des Managements, der Unternehmenskonzeption und –entwicklung sowie der Kommunikation zwischen den Mitarbeitern.

Neben ethischen Fragen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung und der Krankenpflege nehmen ethische Aspeke der Gesundheitsökonomie, der Lebensqualitätsbestimmung, des Qualitätsmanagements, der Prioritätensetzung und der Budgetierung breiten Raum ein. Auch Finanzierungsfragen, wie sie sich beispielsweise im Zusammenhang der von der Gesundheitsreform vorgesehenen „Diagnoses Related Groups“ (DRG’s) ergeben, werden unter ethischen Fragestellungen beachtet.

Zum Schutz gegen eine die menschliche Kernsubstanz der Medizin bedrohende Ökonomisierung wird auch das im Klinikum praktizierte Menschenbild als ein ethisches Konzept diskutiert werden. Die Beziehungen zwischen den Vertretern der Heilberufe einerseits und den Patienten, Angehörigen und ‚Kunden‘ andererseits stehen dabei primär unter ethischem Blickwinkel im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

 

 

EVE / Heiligendammer-Gespräche

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