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I. Ethik-Symposium ·
12. - 14. Mai 2000 · Seebad
Kühlungsborn
Bei jedem anspruchsvollen Vorhaben unterscheidet man Anlass, Grund und Motiv.
Folglich soll dieser Trias auch im gewählten Zusammenhang der Ethik in der
Medizin im 21. Jahrhundert Genüge getan werden.
Der Anlass
des medizinischen Ethik-Symposiums ist in dem Wunsch beheimatet, eine in der
Heilkunde notwendige Wiedervereinigung von Geist(eswissenschaft) und
Natur(wissenschaft) auf ein argumentativ tragfähiges Handlungsfundament zu
stellen. Im geistigen Überbau der Medizin des neuen Jahrtausends sollten
Metaphysik und Naturwissenschaft keinen Gegensatz bilden. Die übermäßig rasch
wachsende und oftmals nur wenig hinterfragte Einfuhr wie Umsetzung von
holistischem Gedankengut mag uns in unterschiedlicher Tragfähigkeit die Krise
zweckrationalen Denkens in der Humanmedizin offenbaren; sie zu lösen vermag sie
keineswegs. Eine rein verstandesgemäße, und d. h. rationale Betrachtungsweise
ist für die medizinische Wissenschaft und Forschung zwar eine notwendige,
keineswegs aber hinreichende Voraussetzung. Spätestens bei den alltäglichen
bis hin zu den professionellen Konfrontationen mit dem erkrankten Mitmenschen
zeigen sich Grenzen und Unzulänglichkeit einer rein auf naturwissenschaftliche
Ideale hin orientierten Medizin. Mit der Rationierung medizinischer Leistungen
steht nunmehr eine sehr grundlegende ethisch-moralische Diskussion an, wo in
Bezug auf die faire Verteilung der zu begrenzenden Mittel Fragen nach
Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität, Ökonomisierung, Globalisierung und den
vielfältig vernetzten Problemen des Marktes zu beantworten sind. Die ethischen
Schwierigkeiten scheinen dabei zu erheblichen Anteilen auf sublime
Vormachtstellungen und Interessensabhängigkeiten wie der einseitigen Auffassung
und Bevorteilung einer materialistisch rationalen Medizin zurückzuführen zu
sein.
Der Grund
des Ethik-Symposiums liegt in der Erkenntnis, dass zu der
naturwissenschaftlichen, auf die Maßstäbe der Science focussierten Medizin
integrativ vernetzte Erweiterungen, und d. h. innovative wie gleichfalls
bewahrende Seitenverträglichkeiten notwendig sind, sofern den Ansprüchen eines
umfassend qualifizierten Helfens und Heilens gerecht werden soll. Überlegungen,
inwieweit
eine am Bedarfs- und Bedürfnisstand des Menschen adaptierte Medizin dafür zukünftig
sowohl an pathologischen Erscheinungen wie auch am gesunden Potential des
Menschen zu orientieren ist, konfrontiert uns mit bislang wenig befriedigend
beantworteten Fragen, wo es um die unmissverständliche Grenzziehung zu den als
seriös geltenden naturwissenschaftlichen Konzepten wie den empirisch-tradierten
Vorstellungen, aber auch um die unmissverständliche Abgrenzung zu den
marktschreierischen Verstiegenheiten geht. Es geht um die qualitativ
abgesicherte und für den Betroffenen oder Interessierten einsichtige wie für
den Sachkundigen transparente Suche nach Sinn und Norm. Und beides ist
anzusiedeln im (in) grundsätzlich offenen System(en) des lebendigen Menschen.
Zusätzlich zu den Fragen, wie eine medizinische Ethik am Beginn des neuen
Jahrtausends aussehen könnte und wie eine neue medizinische Ethik als ein
zwischen den Prinzipien der Hoffnung und Verantwortung vermittelndes
Orientierungssystem einsichtig etabliert werden kann, ist das Motiv
des Symposiums geleitet von der akribischen Suche nach einer den
vieldimensionalen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen angemessenen, und d. h.
ganzheitsmedizinisch gesehen eigenständigen Methodologie. Eine holistische
Medizin ist stets eine menschengerechte Heilkunde und eine menschengerechte
Heilkunde ist letzten Endes immer eine holistische Medizin. Es ist eine Medizin,
in welcher es erlaubt und notwendig ist, im naturwissenschaftlichen Sinne
rational, wie aber auch in hinreichender Erweiterung dazu emotional vorzugehen.
Es soll in der zukunftsweisenden Medizin letztendlich um "optimale"
Entscheidungen am Menschen und für den Menschen gehen. Diese Vorgabe verlangt
Naturwissenschaft(lichkeit) und Geisteswissenschaft(lichkeit) in anspruchsvoller
Weise nachhaltig zu verbinden. Sofern Metaphysik und Physik dafür keinen
Gegensatz mehr bilden, steht auch in der Medizin unweigerlich die Prüfung an,
inwieweit "von Fall zu Fall" auch magische, mythische und spirituelle
Bewusstseinsstufen in letztendlich ökonomischer Weise in die Entscheidungen für
den erkrankten Mitmenschen einbezogen werden können.
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